Normenstelle für Schiffs- und Meerestechnik NSMT im DIN e. V. setzt international Standards mit der ISO 21963 im internationalen Meeres-Umweltschutz

Abfälle im Meer sind ein ökologisches und ökonomisches Problem! 70 % der Erdoberfläche besteht aus Wasser. Saubere und gesunde Meere sind die Quelle für Leben, Ernährung, Beschäftigung und Wohlstand der Menschen. Das Meer ist der wichtigste Lebensraum für Tiere und Pflanzen und das bestimmende Element für unser Klima. Meere kühlen die vom Kohlendioxid erhitzte Erde und aus den Meeren stammt der Sauerstoff für jeden zweiten Atemzug, den ein Mensch nimmt. Das Meer ist sowohl Klima- als auch Kläranlage der Erde und es zählt zu den großen Herausforderungen des Jahrhunderts, es zu schützen . Die Erarbeitung von Normen trägt dazu bei.

Eberhard Runge ist Obmann im NSMT-Arbeitsausschuss NA 132-0 2-11 „Schutz der Meeresumwelt“

Für die Schifffahrt gab es bis 2020 keine Norm [Standard) für OWS (Öl -Wasser Separatoren), nur für Landanlagen gibt es die Norm DIN 1999/EN 858 mit einem Restölgehalt < 5 ppm. Für die Schifffahrt regelt die IMO (International Maritime Organization) die Vorgaben. Der zulässige Restölge­halt nach der offiziellen IMO-MARPOL­ Resolution: MEPC 107(49) beträgt 15 ppm!

Es gibt momentan keine aktuellere Prüfvorschrift für OWS (Oil Water Sepa­rator) als die Resolution MEPC 107(49) und das Circulate MEPC.1/Circ.643 vom 12. November 2008, im deutschen Amtsblatt erschienen unter „Einheitliche Umsetzung der Neufassung der Richtlinien und Spezifikationen für Anlagen zur Verhütung der Meeresver­schmutzung für Maschinenraumbilgen von Schiffen während des Baumuster­zulassungsverfahrens“.

Diese Resolutionen sind jedoch keine Normen!

Es werden aber immer mehr spezielle Seegebiete von Regierungen zu „particular sensitive areas“ oder „national special areas“ erklärt, z.B. Küsten­gebiete vor Kanada, USA, die Großen Seen, Great Barrier Reef, die Nord- und Ostsee und in Zukunft werden noch weitere Gebiete dazukommen. In diesen Gebieten gelten erhöhte Um­weltschutzforderungen, darunter auch die Forderung, dass Schiffe Bilge-Was­ser nur mit einem Restölgehalt < 5 ppm über Bord geben dürfen.

Eine Norm/Standard (Prüfvorschrift) für 5ppm-OWS hat der NA 132-02-11 -01 AK (Arbeitskreis) für Bilgewasser -Entöler in der DIN-NSMT in Zusammenarbeit mit der ISO/TC 8/SC 2 (International Standardization Organization) in den letzten 4 Jahren als ein ISO-Standard erarbeitet. Dieser neue Standard ISO 21963 (ISO 21963:2020; Ships and marine technology – Marine environ­ment protection – Tanks and piping systems for facilitating 5 ppm oil-water separation) beinhaltet definierte An­forderungen an einen klaren Prüfab­lauf und – sehr wichtig – einen exakten Tank- und Rohrleitungsplan.

Die weiteren Vorteile eines OWS nach dem neuen Standard wären:

  • kontinuierliche Entölung und keine Unterbrechung bei der Separation für Rückspülungen;
  • 100 % Entölungsleistung der ange­gebenen Entölergrößen, keine Rück-­ oder Reinigungsspülungen oder Verweilzeiten für „ Reaktionszeiten“;
  • kein erhöhter Wasseranteil im Altöl­tank durch Rückspülungen, kein Reinigungs- oder Rückspülwasser wieder im Bilgetank;
  • kein Einsatz von Chemikalien, Sand-, Granulat- oder Aktivkohlefüllungen, die zu Schlamm und Abfallbelas­tungen führen, die besonders über­wachungsbedürftiger Abfall sind und nur in dafür zugelassenen Ent­sorgungsanlagen beseitigt werden dürfen (nicht in der schiffseigenen Verbrennung). Das gilt auch für Absorberfilter!
  • geringe Betriebskosten .

Die zukünftige Situation:

Jetzt muss die ISO den neuen Standard ISO 21963 bei der IMO (International Maritime Organization) vorbringen und eine neue Ratifizierung (MEPC XXX(YY)) auslösen .

Damit wird unsere Arbeit in der NSMT jedoch nicht zu Ende sein, denn es kommen schon neue Überlegungen ins Spiel:

Neue Brennstoffe und andere Antriebs­formen in der Schifffahrt erfordern wieder neue Lösungen bei der Aufbe­reitung von Bilge-Wasser. OWS müssen sehr effizient bei der Trennung neuer Kontaminanten im Wasser werden, wobei die Wassermengen der Bilge kleiner werden und das wäre die Chance auf Restölgehalte < 1 ppm zu kommen, ein weiterer Schritt für noch mehr Umweltschutz der Meere (die Technik ist bereits vor­ handen).

Größere Wassermengen, wie aus Lade­luftkühlern/Klimaanlagen müssen neu überwacht und behandelt werden, auch hierfür bestehen bereits erprobte Lösungen. Es ist noch viel zu tun in der NSMT und ein langer Weg, um über die ISO zu Standards und bei der IMO zu entspre­chenden Resolutionen zu kommen.

Eine gute Beratung ist in vielen Fällen sinnvoll, denn: „Die Freude über einen günstigen Preis währt nur kurz, aber der Ärger über schlechte Funktion währt ewig“.

Bild 1: Example of functional layout of an OWSE; Quelle: 150/FDIS 21963:2020(E)
Bild 2: Membranfiltrations-Entöler „Future“ 500 l/h, 0 ppm

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